Die Auswirkungen der Drucktechnik auf die Kunstwelt

Die Auswirkungen der Drucktechnik auf die Kunstwelt

Andy Warhol gilt bis heute als Visionär. Der Pop Art-Star prognostiziert bereits vor Jahrzehnten, dass in der Zukunft jeder für 15 Minuten berühmt sein würde. Der Siegeszug der Realityshows und das Aufkommen Sozialer Medien sollte seine Prophezeiung bestätigen. Doch auch in der Kunstwelt hat sein Zugang zu bahnbrechenden Entwicklungen geführt. Der Amerikaner war nicht nur ein stilbildender Künstler, sondern auch ein Marketing-Genie.

Er wusste genau, wie man eine Idee richtig formuliert, um die Massen für sich zu begeistern. In weitere Folge rückte er nicht nur seine Kunst, sondern auch seine eigene Person in den Mittelpunkt. So vermarktete er ein Gesamtkunstwerk, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Mit verantwortlich dafür, war auch sein Zugang zur Drucktechnik, die seine Werke in die Welt hinausgetragen hat.

Mittels Drucktechnik zum Massenprodukt

Warhol ließ seine Werke millionenfach auf die unterschiedlichsten Merchandising-Artikel drucken. Und so lernten auch wenig kunstinteressierte Menschen Andy Warhol und die Kunstform Pop Art über Kaffeetassen, T-Shirts und Poster kennen und lieben. Seine Motive waren deshalb so beliebt, weil er sich in seinen Bildern zutiefst amerikanischen Motiven bediente, die ein Lebensgefühl widerspielten. Die berühmtesten von ihnen sind sicherlich die Coca-Cola-Flasche oder die Campbell-Soup-Dose. Ergänzt durch Ikonen der Popkultur, wie Elvis Presley oder Marilyn Monroe, entstand so ein umfassendes Werk mit dem sich die Massen identifizieren konnten. Die Drucktechnik erlaubte es ihm die Bilder zu reproduzieren und in großen Auflagen an den Mann oder die Frau zu bringen.

Der Siebdruck begleitete sein künstlerisches Leben

Bereits in den 1950er Jahren entwickelte Warhol seine Technik des „drop and dripping“, einer Vorstufe des Siebdrucks. Anfang der 1960er Jahre machte er sich mit dem Siebdruck vertraut und ließ von seinen Werken Vorlagen erstellen. Sie waren die Basis für die zahlreichen Vervielfältigungen und sollten ihn bis weit in die 1970er Jahre begleiten. Nicht immer vertraute die Kunstwelt darauf, dass Warhol selbst die zahlreichen Bilder anfertigte. So soll er regelmäßig die Herstellung der Siebdrucke seinen Mitarbeitern überlassen haben. Viele Werke stammen also vermutlich nicht einmal von ihm selbst. Er wiederum soll sich darüber immer wieder bei Besuchen von Museen amüsiert haben, wenn er entsprechende Arbeiten entdeckt hatte.

Kunst und Kommerz in Einklang gebracht

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Warhol sehr früh schon die entsprechende Anerkennung der offiziellen Kunstwelt genoss. Dies, obwohl er früh auf Kommerzialisierung und Verbreitung setzte. Inzwischen ist Andy Warhol weltweit in den größten und wichtigsten Museen der Welt präsent. So präsentiert auch die Tate Modern in London ab März den Künstler in einer großen Retrospektive. Trotz seines massiven Einsatzes der Drucktechnik und der damit einhergehenden starken Verbreitung seiner Motive ist Andy Warhol bis heute einer der teuersten Künstler weltweit. Sein wertvollstes Werk wurde im Jahr 2013 bei Sotheby’s verkauft. „Silver Car Crash (Double Desaster)“ erzielte 105,4 Millionen Dollar und hält damit bis heute den Warhol-Auktions-Rekord. Glaubt man Medienberichten, dann bezahlte der Hedgefonds-Manager Kenneth Griffin allerdings in einem Private Sale rund 250 Millionen Dollar für eine „Orange Marilyn“.